Freitag, 6. März 2015

Die "gläserne Decke" beim Vornamen nennen

Von den 183 Vorstandsmitgliedern der 30 deutschen DAX-Unternehmen sind nur zehn Frauen - dies entspricht einer Quote von 5,5 Prozent. Das ist eine eindeutige Zahl, die vor dem Hintergrund der aktuelle Diskussion um die heute vom Bundestag beschlossene Frauenquote immer wieder auftaucht.

Doch nackte Zahlen sprechen manchmal nicht deutlich genug. Manchmal brauchen wir einen anschaulichen Vergleich um uns die tatsächliche Bedeutung einer statistischen Größe deutlich zu machen. So deutlich, wie es die New York Times kürzlich für die 1500 größten amerikanischen Unternehmen dargestellt hat. Sie hat die Anzahl von weiblichen CEO mit der Häufigkeit von Vornamen der männlichen Unternehmensführungen verglichen. Dabei kam u.a: heraus, dass es in den Chefetagen von US-Unternehmen mehr Männer gibt, die Johns oder David heißen, als Frauen insgesamt.

Ich habe mich gefragt, ob diese anschauliche Darstellungsweise auch für deutsche Daten funktioniert und habe mir mal die Vorstandslisten der DAX-Unternehmen (Quelle:Wikipedia) angeschaut. Bei diesem, zugegeben deutlich kleineren Datensatz, ergab sich folgendes Bild:


Anzahl von Frauen in Vorständen der DAX-Unternehmen im Vergleich zu häufigen Vornamen von männlichen Vorstandsmitgliedern

In den Vorständen der deutschen DAX-Unternehmen gibt es fast so viele Männer mit Namen Thomas (9), wie Frauen insgesamt (10). Fasst man die beiden bekannten Schreibweisen von Stefan bzw. Stephan zusammen, findet sich auch dieser Name neun mal in den Führungsgremien der 30 DAX-Unternehmen.
Wenn auch nicht ganz so eindrucksvoll wie im amerikanischen Datensatz, ist auch dies ein sehr anschaulicher Indikator für den "glas ceiling"-Effekt, also der unsichtbaren "gläsernen Decke", die Frauen häufig daran hindert, auf der Karriereleiter ganz nach oben zu klettern.

Mal sehen wie sich die Namenschilder der DAX-Vorstände ändern werden, wenn in den nächsten Jahren die Frauenquote greift.